Treffpunkt Leipzig

275 Jahre Freimaurerloge in Leipzig

14. März 2011

275 Jahre Freimaurerloge in Leipzig - Jubiläumstour mit Treffpunkt Leipzig

Zu einem zweistündigen Rundgang empfängt Sie Herr Dr. Hempel, ein ausgewiesener Bot-schafter der Freimaurerei, an der Gedenksäule auf dem Nikolaikirchhof.

In den mit Jubeltagen reich versehenen Kalender der Stadt Leipzig reiht sich 2011 ein besonderes Ereignis ein: 1736, das heißt vor 275 Jahren, wurde die erste Loge der Freimaurer in unserer Stadt gegründet. Diese namenlose Loge, in bester Leipziger freiheitlicher Tradition ohne Patent einer Großloge gebildet, verliert sich im Dunkel der Zeit. Daraus erklärt sich, dass in Deutschland eine Hamburger Gründung statt der Leipziger zur Freimaurerloge „Nr. 1“ avanciert. Fünf Jahre später kommt es am 20. März 1741 zur Stiftung der „Loge de Leipsic“ durch die Brüder Baltzer, Dufour, Kob, Peinemann, Schwabe, Steger und Zemisch. Mit der Unterzeichnung des Gründungsprotokolls durch Adrian Deodate Steger, erster gewählter Logenmeister und in der Stadtgeschichte ausgewiesener Bürger, konstituiert sich in der Messestadt eine der wenigen europäischen Ursprungslogen. Am Stiftungstag vollziehen die Brüder auch die erste Aufnahme: Der in Berlin ansässige Bankier, Kaufmann, Mäzen, Unternehmer und Vertraute von Friedrich II., Johann Ernst Gotzkowsky, wird als Lehrling aufgenommen und sogleich zum Gesellen befördert. Eine höchst ungewöhnliche Wertschätzung in Freimaurerkreisen. An jene bedeutende europäische Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts erinnern heute in Leipzig die Gotzkowsky-Straße, ein Porzellan seines Namen aus der MEISSENER Manufaktur und der Friede von Schloß Hubertusburg. Beide Mutter-Logen von 1736 und 1741 stehen am Ausgangspunkt einer glanzvollen Freimaurergeschichte, die durch die nachfolgenden Leipziger Logen-Gründungen Minerva, Balduin und Apollo weitergeführt wird. Zwei weitere Denkwürdigkeiten: In altehrwürdiger Tradition bewirkt 1991 die Loge Zum Weißen Pferd aus Hannover die Wiedereinsetzung der Leipziger Loge Minerva, nachdem 1746 vier Leipziger Freimaurer an der ersten Logen-Gründung in Hannover teilnahmen. Das Wirken der Freimaurer in der Handels- und Universitätsstadt zeichnet sich durch Liberalität, Weltoffenheit und Stadtverbundenheit aus. So ist das Blau der Johannis-Logen den damaligen Leipzigern ebenso vertraut wie Johannes selbst, Schutzpatron von Stadt und Universität. Mit Wohlwollen nehmen die Leipziger die zugänglichen Johannisfeierlichkeiten der Bruderschaft sofort an. Diesem offenen, den Bürgern und ihrer Stadt zugewandten Geist - nicht zuletzt dem genius loci geschuldet - ist es zu verdanken, dass das Wirken der Brüder in Leipzig bis heute allenthalben zu bewundern ist. Die Liste der namhaften Leipziger Persönlichkeiten-Freimaurer ist lang, sie reicht von Johann Friedrich Bause, Ferdinand Blüthner, Alfred Brehm, Arnold Brockhaus, Gottfried Körner, Friedrich List, Albert Lortzing, über Goethes Zeichenlehrer Friedrich Oeser, Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald, Anton Phi-lipp Reclam, Carl Seffner, Karl Tauchnitz, den Schöpfer des Völkerschlachtdenkmals Clemens Thieme, bis zu Gottfried Friedrich Volbeding. Jeder kennt die Namen aber nur weni-ge wissen: Das waren Freimaurer. Mehr als 100 Straßen und Namensgebungen in Leipzig sind nach Brüdern aus vielen Ländern benannt. Überragt vom Völkerschlachtdenkmal atmen diese Leipziger Bezeichnungen den Geist der „Weltbruderkette“ der Freimaurer. Die Jubiläumstour 2011 „Auf den Spuren der Freimaurer“ will ein Kapitel dieses bedeutenden, aber wenig beachteten und weithin unbekannten geistig-kulturellen Erbes der Stadt ins rechte Licht rücken.

Mit freundlichen Grüßen Sonja Pfeifer-Suppee, Annette Wyrembeck Geschäftsleitung Treffpunkt Leipzig