Grundlagen der Gästeführung – Ausbildung an der VHS Leipzig

Ein Kurs als Grundlage für Gästeführerinnen und Gästeführer oder doch nicht?

Die Thomaskirche zu Leipzig - Ort der ReformationDie Volkshochschule Leipzig bietet von September bis Dezember 2026 einen Kurs „Grundlagen der Gästeführung (Theorie)“ an. Das ist gut. Oft sind potentielle Gästeführerinnen und Gästeführer Quereinsteiger und da ist eine fundierte Ausbildung sehr sinnvoll.

Wenn ich mir jedoch den Ausschreibungstext des Kurses anschaue, dann kommen mir Zweifel an der Qualität und Sinnhaftigkeit dieser Ausbildung.

„Sie interessieren sich für Geschichte, Kultur und Menschen? Sie treten sicher auf, kommunizieren gern und begeistern andere mit Ihrem Wissen? Vielleicht sprechen Sie sogar mehrere Sprachen und möchten Besuchern die Vielfalt der LEIPZIG REGION näherbringen?
Dann bringen Sie beste Voraussetzungen mit, um als Gästeführer/-in tätig zu werden. Ob historische Altstadt, beeindruckende Industriekultur, lebendige Kulturszene oder faszinierende Landschaften: Als Tourguide vermitteln Sie nicht nur Fakten, sondern schaffen Erlebnisse, die Gästen lange in Erinnerung bleiben. Der Kurs vermittelt Ihnen das notwendige Fachwissen und praktische Handwerkszeug für einen professionellen Einstieg in die Gästeführung.“

Dann werden die Inhalte beschrieben:

Kultur, Geschichte und Besonderheiten der LEIPZIG REGION,
Kommunikation und Gästeführung,
Storytelling und spannende Tourgestaltung,
Touristische Angebote der Destinationen,
Zielgruppenorientierung und Inklusion,
Berufspraxis und Selbstständigkeit,
Rechtliche Grundlagen, Sicherheit und Verantwortung.

Schloss Hartenfels in Torgau an der ElbeDiese Inhalte sollen in 24 Kursterminen in 80 Unterrichtseinheiten vermittelt werden, wobei eine Unterrichtseinheit nur 45 Minuten umfasst, also effektiv nur 60 Zeitstunden.

Abgedeckt werden soll mit diesem Kurs die LEIPZIG Region – also die Stadt Leipzig, die Landkreise Leipzig und Nordsachsen und der Altkreis Döbeln. Sieben inhaltliche Schwerpunkte werden beschrieben, bleiben rechnerisch für einen Schwerpunkt 8,57 Stunden.

In dieser knappen Zeit sollen Teilnehmer, bei denen man voraussetzen muss, dass sie keine Vorkenntnisse haben, einen umfassenden Überblick über die Region, deren Geschichte, Landschaften, Personen, Besonderheiten etc. erhalten? Das ist schwer vorstellbar.

2025 gab es zwei solcher Kurse – einen an der VHS Leipzig zur Stadt Leipzig und einen an der VHS Nordsachsen zur Region. Der Kurs an der VHS Nordsachsen umfasste 29 Termine. Nun sind beide Kurse zu einem zusammengelegt, dann müsste sich ja die Stundenzahl erhöhen – nicht zwangsläufig verdoppeln. Sie wird aber reduziert. Das hat auch einen Grund – nach Beendigung der Ausbildung 2025 hatten die Teilnehmer den theoretischen und praktischen Teil absolviert und bekamen ihr Zertifikat. Terminsicherheit und Kostensicherheit waren gegeben.

Wenn man weiter die Kursbeschreibung liest, erfährt man auch, warum der Kurs nur aus 24 Unterrichtseinheiten besteht. Der Kurs beinhaltet nur Theorie, keine Prüfung und keinen praktischen Teil. Beendet wird der Kurs mit einer Teilnahmenbestätigung der VHS – diese ist nichts wert. Die Teilnehmer können im Januar 2027 eine schriftliche Prüfung beim Verein „Gästeführungen Leipzig und Umland e. V.“ ablegen. Das kostet aber extra. Praktische Erfahrungen haben die Teilnehmer dann immer noch nicht.

Es geht aber auch noch weiter. Im Anschluss an den Kurs und der absolvierten schriftlichen Prüfung kann noch eine praktische Zertifikatsprüfung abgelegt werden. Nach den Winterferien 2027 ist ein Aufbaukurs geplant – Termine sind nicht festgelegt, Kosten stehen nicht fest.

Die Emmauskirche in BornaWer alle drei Teile erfolgreich bestanden hat erhält ein Zertifikat des Vereins „Gästeführungen Leipzig und Umland e. V.“ in Kooperation mit dem Tourismusverband LEIPZIG REGION – auch das ist nur ein Stück bedrucktes Papier.

Das Ganze kostet natürlich auch etwas: Der Kurs kostet 372,00 Euro – plus Gebühren für die Prüfung von 38,00 € – plus Kosten für den praktischen Kurs, die noch nicht feststehen. Seriöse Planung und Kostensicherheit für die Teilnehmer sehen anders aus.

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass planlos agiert wurde, auf Inhalte und eine in sich stimmige Ausbildung künftiger Gästeführerinnen und Gästeführer in der Region kein Wert gelegt wird. Eine Ausbildung – egal wo – umfasst immer einen theoretischen und praktischen Teil – diese muss man an der VHS in Scheiben absolvieren.

Ich habe diesen Kurs vor 10 Jahren belegt, damals noch beim ZAW Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig. Kosten damals ca. 1.500 € – das war viel, aber nach erfolgreicher theoretischer und praktischer Führung bekam ich mein Zertifikat. Diese Ausbildung war in sich stimmig – über die Qualität der Inhalte kann man streiten.

So kann ich dem Verein „Gästeführungen Leipzig und Umland e. V.“ und dem Tourismusverband LEIPZIG REGION für den Kurs 2026 nur eine Minderung der bisherigen Qualität dieser Ausbildungen attestieren – dafür gibts von mir kein Zertifikat.

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Author: Mirko Seidel am 15. Okt. 2026 10:04, category: Allgemein, comments per feed RSS 2.0, comments closed.

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