Stadtrundgang Leipzig 800 Jahre Bürgerstadt & Demokratiebewegung
Die stolze Bürger- und Messestadt Leipzig und ihr Verhältnis zu den Mächtigen
Leipzig war nie Residenzstadt. Markgraf Dietrich von Meißen ließ ab 1212 die Stadtmauer abreißen und drei Burgen bauen. Er wurde von seinem Leibarzt vergiftet, die Leipziger sollen den Arzt angestiftet haben.
Kurfürst August der Starke wollte sich ein Schloss bauen lassen. Die Leipziger sollten das Schloss bezahlen und ließen ihren Kurfürsten abblitzen. Im 19. Jahrhundert wurde Leipzig Großstadt und Industriestadt. Die erste deutsche Gewerkschaft wurde in Leipzig gegründet, der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein und der Allgemeine Deutsche Frauenverein. Leipzig wurde zur Wiege der Arbeiter- und Frauenbewegung.
Robert Blum, Wilhelm Liebknecht, Ferdinand Lasalle, Clara Zetkin lebten in Leipzig.
Die Bürger der wohlhabenden Messestadt wollten der Residenzstadt Dresden nicht nachstehen in Kunst und Kultur. Aus dem Chor des Thomasklosters wurde ein städtischer Chor – der Thomanerchor – einer der besten Knabenchöre der Welt. Aus dem bürgerlichen Großen Concert wurde das weltberühmte Gewandhausorchester. In Leipzig stand eines der ersten bürgerlichen Opernhäuser Deutschlands.
Dichter und Denker zog es immer wieder nach Leipzig. Der Geist der Freiheit wehte über Jahrhunderte durch die Stadt. 1933 wehte auch über Leipzig die Hakenkreuzfahne. Der letzte sozialdemokratische Oberbürgermeister, Carl Friedrich Goerdeler, trat 1938 zurück. Anpassung und Gleichschaltung hat es in Leipzig gegeben, aber auch Widerstand.
Nach 1945 wurden viele Gebäude der stolzen Bürgerstadt Leipzig abgerissen. Eine sozialistische Großstadt sollte Leipzig werden. Demokratie und Freiheitsrechte wurden nicht so wichtig genommen. Trotzdem gab es auch in der DDR Widerstand. Am 17. Juni 1953 demonstrierten tausende Menschen gegen die Machthaber in Ost-Berlin. Der Volksaufstand wurde blutig niedergeschlagen.
Die Leipziger Messe war das Schaufenster der Leipziger in die Welt. Die Stadt verfiel zusehends. Die Braunkohleverarbeitende Industrie um Leipzig stieß ihre Abgase in die Luft und vergiftete die Flüsse. Seit den frühen 1980er Jahren organisierten sich Umwelt- und Friedensgruppen in den Kirchen. Sie nutzten die Messen für ihre Proteste und wurden von Polizei und Staatssicherheit verhaftet.
Im Jahr 1989 wuchs der Unmut. Die Friedliche Revolution im Herbst 1989 führte am 9. November 1989 zur Öffnung der Mauer in Berlin und zum Ende der DDR.
Der Stadtrundgang 800 Jahre Bürgerstadt & Demokratiebewegung“ führt Sie durch das Leipzig der Jahrhunderte und wirft den Blick auf das stolze Bürgertum, die Arbeiter- und Frauenbewegung, den Widerstand gegen Diktaturen und den Einfallsreichtum der Leipziger, den sie den Mächtigen entgegensetzten.
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Author: Mirko Seidel am 4. Okt. 2026 08:19, category: Politik & Zeitgeschichte, Stadtrundgang Leipzig, Thementouren, comments per feed RSS 2.0, comments closed.

















